Trotz
Interview mit Intelligenz Interview mit Lust Interview mit Pflicht

Heute begrüße ich recht herzlich: Trotz!

Ja gar nicht!

Haha. Fanden Sie das nicht gerade ein bisschen albern?

Nein, wieso? Wollen Sie mir etwa befehlen, wann ich mich kindisch oder albern aufzuführen habe? Das könnte Ihnen so passen, da kann ich ja gleich den toten Fisch mimen!

Interessanter Ansatz. Aber ich wette, Sie können noch nicht mal eine Minute die Klappe halten.

Ach ja?

Ja!

Na gut, das haben Sie nun davon. Sie haben es nicht anders gewollt!

Na schön!

Na schön!

Na gut!

Na gut!

Fein!

Fein!

(kurzes Schweigen, dann lautes Gelächter)

Ich kann Sie jetzt schon gut leiden! Verraten Sie mir, wie Sie trotz völliger Querstellung gegenüber allem und jedem Sympathien gewinnen?

Blll.

(streckt die Zunge raus)

(Lachen)

Fabelhaft! Sie gewinnen meine interne Wahl zum lustigsten Interviewpartner! Darf ich Sie um ein Statement zu Ihrem Wahlsieg bitten?

(eisiges Schweigen)

Interessant. Trotz schweigt aus Bescheidenheit. Daran erkennt man wahre Größe. Doch fragt sich der Wähler, hat man Trotz wegen seiner ungeahnten Bescheidenheit gewählt? Oder wollte man nicht vielmehr ein Versprechen der Auflehnung?

(Schweigen)

Interview mit Schweigen, einer der herausfordernsten Interviewpartner!

Ihnen wird noch der Spaß vergehen! Glauben Sie mir, irgendwann ist Ihre Geduld aufgebraucht und dann beißen Sie sich die Zähne aus! Das wäre ja verrückt! Sollte Geduld verbraucht und Spaß gegangen sein, was würde ich dann noch hier machen? Sollte es soweit kommen, bin ich noch vor ihnen an der Tür, darauf mein Wort!

Pah, Schluss mit den Spielchen. Irgendeiner von uns muss hier versuchen ein Interview zu führen und ich bin es nicht! Viel Spaß!

Sie sind es auch nicht? Oh gut, dann können wir ja ganz unbesorgt sein. Nur der arme Kerl, der hier dieses Interview nicht auf die Reihe gekriegt hat, wird bestimmt einen Einlauf kriegen.

(grinsend)

Dann stellt sich die Frage: Wenn ich hier nichts zu tun habe und Sie hier nichts zu tun haben, wieso sitzen wir dann hier?

Na, aus Trotz! Ist doch klar!

(kleinlaut)

Richtig, richtig. Das leuchtete mir ein.

(etwas wütender)

Jetzt sitzen wir hier in diesem Kabuff, wo ich nichts verloren habe und führen ein Interview gegen meinen Willen. Schon wieder. Jedes verdammte Mal falle ich auf mich selbst herein! Da kocht der Hass!

Das ist tragisch, Sie wurden ihr eigenes Opfer.

ICH BIN NIEMANDES OPFER! Damit das klar ist!

Ständig unter Zwang Dinge zu tun, die man nicht will… Armes Ding…

ICH BIN NICHT ARM!

Natürlich, wer wäre nicht verbittert darüber…

ICH BIN NICHT VERBITTERT!

Ist schon gut, lass alles raus.

ICH HASSE EUCH! IHR VERSTEHT GAR NICHTS!

Aber Sie hassen sich selbst immer ein bisschen mehr… Es ist doch so traurig…

OH GOTT; ICH BIN SO TRAURIG!

(Schluchzen, Weinen)

Dieser auswegslose Automatismus, immer die schlechtere Wahl nehmen zu müssen und das Wissen darum…unvorstellbar.

HÖREN SIE AUF! SOFORT!

Keine Sorge, ich höre schon auf. Ich will hier nur einmal etwas anmerken. Sie sind gar nicht Trotz! Der ist nämlich aus Trotz unbemerkt gegangen, als ich ihn als lustigsten Interviewpartner kürte, nicht wahr? Und Bitternis schlich sich als kaum zu unterscheidender Ersatzspieler ein…

Woher…?

Aber Bitterkeit ist auch fort, also sitze ich meinem "Alltimeclassic"-Gast Verzweiflung gegenüber. Stimmt's? Aber damit noch nicht genug! Sie werden sich bald selbstverzehren und übrig bleibt ein Häufchen Elend. Bedauern oder irgendein anderer Spinner wird zur Tür rein kommen und liest sie wieder auf.

(Seufzen)

Alsooo, kenn ich alles schon. Langweilig. Können wir das nicht überspringen?

(Tür geht auf)

Ich fürchte nicht! Sonst wäre ich nicht hier.

Und Sie sind dann…?

Gestatten Langeweile. Ich dachte Sie hätten mich schon enttarnt.

(unverblühmt)

Was muss ich tun, damit Sie verschwinden?

Wenn Sie das nicht wissen, kann ich äußerst anhänglich werden.

(kurzes Überlegen)

Ach, wirklich? Das wusste ich gar nich.t Wie interessant, erzählen Sie mehr!

Auf ein anders Mal.

Warum so eilig? Bleiben Sie doch noch ein Weilchen. Wir können es uns zusammen richtig langweilig machen!

(Lachen, Türenknallen)

(verwundert)

Woran liegt das nur? Alle Interviewfreaks heute fertiggemacht! So gut lief es ja noch nie!

(Klopft sich auf die eigene Schulter)

In der Tat.

(verunsichert)

Wer sind Sie denn schon wieder? Ich wollte gerade Schluss machen…

Höre ich da Angst, um ihren Triumphtag heraus?

Ich ähh, nein... Was?

Bleib cool. Ich bin nur als Geschenk hier. Kein Grund Tröpfchen ins Höschen zu machen. Ich bin Spott.

(tonlos)

Spott…

Ööööh, Spooohot. Ich seh' schon sie sind ein ganz ausgeschlafener Zeitgenosse. Ehe du noch mehr kostbare Luft in Echos meiner Worte umwandelst und dich damit meisterlich eloquent durch das Dickicht, das du Zusammenhänge nennst, schlägst, hör gut zu: Intelligenz hat mich als großes Dankeschön für dein aufreibendes Interview mit Hochmut und Konsorten geschickt. Ergo habe ich heute das Interview für dich gemanagt. Das ist der wahre Grund gewesen, warum du nicht mit strammem Hosenboden aus dem Interview kamst, wie sonst immer. So, da hast du's. Leider hast du gefragt, sonst hätte ich dir diese Erkenntnis lieber erspart. Aber nun je. Geh jetzt einfach nach Hause und freue dich des Lebens du putziger Mensch.

(steht auf, stockend)

Danke für...

Jaja geh einfach nur. Am besten still!